• Bruno Küttel

Humankapital


Wir machen ein Interview? Ich stelle dir schriftlich ein paar Fragen und du fügst deine Antworten hinzu. Das Ganze publizieren wir in meinem Blog, inklusive Verlinkung auf deine Seite. Magst du dir bitte Gedanken darüber machen, welche Themen dir wichtig wären? – So hat mich Tanja gefragt, und ich gab ihr zur Antwort, dass das eine gute Idee sei, dass ich für meine Gedanken aber noch etwas Zeit brauche. Ich sei im Moment, sagte ich, beruflich stark eingespannt: Fristen und Termine, wie üblich im Alltag eines Anwalts. Aber dann ging es doch schneller als gedacht.

Liebe Tanja, es geht schneller, als ich meinte. Also was ist mir wichtig? Was will ich? Was sind meine Gründe, weshalb ich Geschichten und Bücher schreibe?

Ich will Menschen berühren mit dem, was ich erzähle.

Ich will ausdrücken, was sich in meinem Innersten ergibt.

Ich will erzählend einen Bogen spannen zwischen meinem inneren Erleben, meinen Gedanken und Gefühlen, und dem, was sich in der Welt ereignet.

Ich will Geld und Geist verbinden.

Ich will eine Brücke bauen zwischen den Menschen, die, wie du und ich, im Spirituellen suchen und heilen und helfen wollen, und der Gesellschaft, um uns herum. Ich will bewusst machen hüben wie drüben, dass wir Heiler-Menschen mehr zu bieten haben, als wir selbst oft meinen. Mitgefühl heisst der Stoff, den die Welt von uns erhält.

Heute Morgen beim Aufstehen war plötzlich der Begriff «Humankapital» da. Du kennst ihn ja auch, diesen Begriff. Davon reden die Businessmen, wenn sie uns Menschen meinen. Dann dachte ich: Das musst du dir auf der Zunge zergehen lassen: «Humaaaan-kapitaaaal»! In diesem Begriff kommt zum Ausdruck, dass da etwas grundlegend falsch verstanden wurde. Meistens, wenn einer vom «Humaaaan-kapitaaaal» spricht, meint er, er drücke damit eine Wertschätzung aus. Man sagt dann etwa, man müsse dem «Humankapital» Sorge tragen, weil es wertvoll sei. Aber eigentlich ist das zynisch. Das Humankapital wird ausgebeutet, bis es nicht mehr kann. Wenn es dann krank oder alt ist – manchmal auch beides zusammen –, überlässt man es dem «Gesundheitswesen». Dort erhält man das Mitgefühl, das Mann und Frau entbehren, solange Mann und Frau zum Humankapital gehören.

Oder wenn ich es anders sage: Es geht – Frankreich und seine Werte kommen mir nah im Moment – um das Dritte im Bunde. Die Freiheit hat es weit gebracht, beim Wirtschaften vor allem. Und auch die Gleichheit hat ihre Domäne, das ist die Demokratie. Das eine wie das andere ist mir wertvoll, aber ich hätte gern, wenn auch die Brüderlichkeit auf der gleichen Stufe stünde. Aber die Brüderlichkeit hat es bis jetzt noch schwer. Ihr ist unter die Arme zu greifen, wenn sie auf die Beine kommen soll. – Das ist es, was ich meine, wenn ich «Mitgefühl» und «Heiler-Menschen» sage. Das ist mein «Heilen im Alltag», das Alltag werden soll. – Kannst du damit etwas anfangen? Ist das der Stoff, den du brauchst für das Interview?

Und dann schickte ich nach einer Weile noch einen Gedanken nach: Liebe Tanja, ob es anders gemeint war vielleicht, als wir beide meinten? Auf jeden Fall hat sich auf die Schnelle eine neue Geschichte ergeben, die mich selbst überrascht. Sag, was hältst du davon? Es eilt aber nicht mit der Antwort. – Sollte das eine Geschichte für meinen Blog sein, würde das natürlich nicht gegen deine Idee sprechen: das Interview, irgendwann.

Und als Bild zur Geschichte käme der Mont Saint-Michel in Frage. Ein Foto, das Claudia machte, als wir vor ein paar Wochen in Frankreich auf Reise waren. Auch das ist «Heilen im Alltag», wenn wir Bilder kultivieren, die ein kultiviertes Frankreich zeigen. Frankreich ist viel mehr, als die Bilder vom Terror zurzeit.

Hier geht's zum Interview, Tanja Alexa Holzer fragte bei Bruno Küttel nach: Anwalt und spirituell Suchender - beisst sich das? Klicken, um das Interview zu lesen.

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