• Bruno Küttel

Auf den Kopf gesch…


„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“ Ja, Hermann Hesse hatte recht. Ich kann kaum vom Zauber lassen: dieser harmlos schillernde Fisch, der sich als Hai ausgibt. – Vor gar nicht langer Zeit sah das Cover noch anders aus: ein Wanderer am Bergsee, der ich selber war, und der Titel „Das leichte Leben“. Ganz so leicht war es aber nicht, mit der eigenen Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen. Ich liess mir helfen von einem Coach, wie es die Sportler machen.

Den Auftritt vor Publikum war ich mich gewöhnt – als Anwalt vor dem Gericht oder als Politiker, der ich in jungen Jahren war –, das aber war jetzt etwas anderes. Jetzt ging es um mich, kein Spiel mehr mit Netz und doppeltem Boden.

So fuhr ich also zu Barbara, meinem Coach, hinter die sieben Berge. „Sieben Berge“ sage ich, weil zwischen hier und dort die sieben Berge stehen, Churfirsten genannt. Barbara führt eine Praxis in Buchs im St.Galler Rheintal. Ums Buch geht es im Gespräch. – Selbstverständlich geht es ums Buch, das ist ja der Grund, weshalb ich ihre Hilfe brauche. Zum einen will ich hinaus zu den Leserinnen und Lesern, zum andern aber ... – Um „Buch und Buchs“ geht es auch.

Buch und Buchs, wie nah sich die beiden doch stehen! Ich komme ins Erzählen. Das sei schon etwas Magisches mit diesem Buchs und mit den Büchern. Schon zweimal, sage ich, sei ich nach einer Wanderung um und über die sieben Berge in Buchs am Bahnhofskiosk mit einem Buch fündig geworden. Es habe genau gepasst. Das richtige Buch zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Buch und Buchs, das passt.

Und am Ende der hilfreichen Stunde erhielt ich von meinem Coach noch einen Tipp mit auf den Weg: „Wenn du noch ein wenig Zeit hast, dann empfehle ich dir den Buchladen hier im Ort, ganz neu gestaltet, in einer Fussgängerpassage. Eine Buchhandlung und ein Café-Restaurant zusammen, sehr einladend das Ganze.“ Der Tipp war mir willkommen, ein Kaffee und etwas Süsses selbstverständlich auch.

Also nichts wie hin an den Ort der geistigen und kulinarischen Genüsse. Ein kleines Büchlein spricht mich als Erstes an: „Vom Wandern“ von Henry David Thoreau, zusammen mit anderen „kleinen“ Werken ganz vorne im Gestell, sehr schön präsentiert. „Reclam“ in Grün und Schwarz und Weiss, nicht mehr nur im altbekannten Gelb. „Schön gemacht“, sage ich zur Frau, die mir das Büchlein verkauft. Ja, da habe sie sofort gespürt, als der Vertreter mit dem neuen Produkt vor ein paar Tagen bei ihnen im Laden stand, dass das gut laufen würde.

Und mir ist die Gelegenheit willkommen, ich ziehe mein Cover aus der Tasche und stelle der Frau eine Frage: „Gesetzt den Fall, ein Vertreter bietet Ihnen dieses Buch an, ‚Das leichte Leben‘ mit dem Wanderer über Stock und Stein, nehmen Sie es in den Laden?“ Die Frau schaut es an und meint: „Der Titel, ja, und auch die verträumte Schrift, wenn er wirklich ein Träumer ist.“ Sie meint es mehr als Frage. „Ein Träumer, ja!“, sage ich. „Aber wissen Sie was“, sagt sie noch, „die Geschichte, die Sie erzählen, passt zu ‚Wörterseh‘. Wenn Frau Baumann es macht, kommt es gut. Die machen schöne Bücher, und dann begrüssen wir sie gern demnächst einmal bei uns für eine Lesung. Wir hatten schon einige Male Autoren von ‚Wörterseh‘ da.“ Ich bedanke mich bei der Frau und mache mich auf den Weg mit leichtem, beschwingtem Schritt. Und in Sargans, eine Spur zu unbedacht, sitze ich im „falschen“ Zug. Vielleicht aber ist es auch richtig: bei mir zu Hause vorbei. Wenn das kein Zeichen ist?! Ohne Halt nach Zürich!

Am anderen Tag schaue ich in die Website des Verlags. Das Willkomm auf der ersten Seite machen ein Spatz mit Bild und ein kleiner Film. Die Verlegerin Gabriella Baumann-von Arx erzählt in nur zwei Minuten, wie ihr Verlag entstand. Als sie ihr zweites Buch über Lotti Latrous, die in den Slums von Abidjan den Ärmsten der Armen half, herausbringen wollte, habe sie der Verlag, der das erste Buch verlegte, auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Das Buch und sie konnten jedoch nicht warten, und so habe sie sich für einen eigenen Weg entschieden, und so sei „Wörterseh“ entstanden. „Und just in dem Moment“, sagt sie, „als ich von dieser Idee in einem Strassencafé erzählte, schiss mir ein Spatz auf den Kopf. Da wusste ich: Noch mehr Zeichen von oben kann es nicht geben!“

Noch mehr Zeichen von oben …, dachte auch ich und machte mich ans Schreiben. Ein Brief an „Wörterseh“, mit einer kleinen Geschichte, die von Buch und Buchs erzählte, und mit einer Frage: Was mochte es bedeuten? Ohne Halt bis Zürich? Über Buchs zu „Wörterseh“? – Nach nur drei Tagen lag mir die Antwort vor: „Lieber Herr Küttel, ganz herzlichen Dank ... Wir sind ein kleiner Verlag, der ... Null Kapazität ... Es tut uns leid ... wünschen Ihnen alles Gute ...“ Und mir wurde klar, dass wieder einmal, wie damals bei Frau Baumann, ein Spatz seine Aufgabe meisterhaft erfüllte. – Gut, gibt es die Spatzen!


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